Schnellen Atomausstieg gefordert

Der Synodalverband Emsland-Osnabrück hat sich für einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Auf der Synode im emsländischen Lingen verabschiedeten die Synodalen am Freitag, 1. April einstimmig eine Erklärung, mit der die Bundesregierung aufgefordert wird, die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke zurück zu nehmen. "Angesichts der im Letzten nicht beherrschbaren Risiken und der ungelösten Folgeprobleme wie der Entsorgung des Atommülls kann die Kernenergie keine nachhaltige und tragfähige Quelle unseres Energiebedarfs sein", heißt es in der Erklärung. Jetzt müsse der Ausbau von alternativen, menschengerechten und schöpfungserhaltenden  Energieträgern mit aller Kraft vorangetrieben werden.

Konkret äußerten sich die Synodalen zum Atomkraftwerk im emsländischen Lingen. Störungen dort könnten für die Gemeinden in unmittelbarer Nähe lebensgefährliche Folgen haben.

4. April 2011
Ulf Preuß, Pressesprecher

 

Wortlaut der Erklärung

Votum der Synode des Evangelisch-reformierten Synodalverbands
Emsland - Osnabrück am 1. April 2011 in Lingen

„Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt“ (Matthäus 26,41)

In diesen Tagen denken wir ganz besonders an die Menschen in Japan, die von Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe so unfassbar hart betroffen sind und beten für sie – und wir bitten die Christinnen und Christen in unseren Gemeinden und unserer Region, der Menschen in Japan ebenfalls im Gebet zu gedenken.

Beten und Handeln gehören zusammen. Daher wollen wir nicht nur für die Opfer beten, sondern darüber hinaus praktische Hilfe leisten durch die Sammlung von Geldmitteln und die Mitarbeit in Hilfsorganisationen, damit möglichst viel für die Betroffenen getan werden kann.

Aber auch eine engagierte und kompetente Meinungsbildung zur Thematik der Energieversorgung zollt dem Leiden der Menschen  Respekt, die auf lange Zeit von den Folgen der Reaktorkatastrophe betroffen sein werden.

Unsere Haltung will dem biblischen Zeugnis vom Menschen, seinem Auftrag und seinen Grenzen, und einem christlich verantworteten Umgang mit der Schöpfung entsprechen.

Daher fordern wir einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie.

Wir wissen uns dabei einig mit unserem Kirchenpräsidenten Jann Schmidt, der erklärt hat: „Eine Technik wie die Atomtechnik, die hundertprozentige Sicherheit braucht, ist nicht menschengerecht“.

Angesichts der im Letzten nicht beherrschbaren Risiken und der ungelösten Folgeprobleme wie der Entsorgung des Atommülls kann die Kernenergie keine nachhaltige und tragfähige Quelle unseres Energiebedarfs sein. Vielmehr muss der Ausbau von alternativen, menschengerechten und schöpfungserhaltenden  Energieträgern mit aller Kraft vorangetrieben werden.

Auch wir selbst sind in Sorge. Unsere Synode tagt in Lingen, wo ein Atomkraftwerk betrieben wird. Die emsländischen Gemeinden unseres Synodalverbands liegen innerhalb des 20-km-Gürtels rund um dieses Atomkraftwerk. Störungen, auch ohne Erdplattenverschiebungen, können in unserer Region sofort lebensgefährliche Folgen haben. Das Risiko, das von dem nur wenige Flugsekunden von Lingen entfernt liegenden Luft-Boden-Schießplatz Nordhorn-Range ausgeht, ist seit langem bekannt.

Wir fordern die Bundesregierung auf, den Beschluss zur Laufzeitenverlängerung von 2010 wieder zurückzunehmen und damit auch das Atomkraftwerk Lingen bis spätestens 2020 außer Betrieb zu nehmen, wie es der ursprüngliche „Atomkompromiss“ vorsah. Auch eine Übertragung von Restlaufzeiten auf das Atomkraftwerk Lingen darf es nicht geben.

Die Kirchen, Gemeinden, Christinnen und Christen aller Konfessionen in der Region bitten wir, unser Votum in ihre eigenen Diskusssionen einzubeziehen und sich uns anzuschließen.

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