Vom Gemeindegotteshaus zu Jugendkirche und Sharehaus
Sie hat Kriegszerstörung erlebt, wurde wieder aufgebaut und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach verändert: Die Friedenskirche an der Klöntrupstraße in Osnabrück wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. 1926 wurde das Gotteshaus der Evangelisch-reformierten Gemeinde eingeweiht. Heute ist die ehemalige Gemeindekirche ein besonderer Ort kirchlichen Lebens: Sie beherbergt die evangelisch-reformierte Jugendkirche und ist zugleich Teil des Sharehauses Friedenskirche, in dem unterschiedliche kirchliche, kulturelle und gesellschaftliche Gruppen zusammenkommen. Am kommenden Sonntag, 30. August, feiert die Jugendkirche das Jubiläum.
Von der Predigtkirche zur Jugendkirche
Die Geschichte des Kirchenbaus reicht allerdings weiter zurück. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts war angesichts der wachsenden reformierten Gemeinde ein weiterer Gottesdienstraum geplant worden. 1908 entstand an der Klöntrupstraße zunächst ein Konfirmandensaal. Der eigentliche Kirchenbau konnte erst 1925/26 verwirklicht werden. Der Architekt Gürtler errichtete einen vergleichsweise schlichten rechteckigen Bau mit hohem Satteldach und Dachreiter. Die Friedenskirche sollte bewusst eine einfache Predigtkirche sein.
Auch der Name der Kirche ist Teil ihrer Geschichte. Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs verband sich mit der Bezeichnung „Friedenskirche“ die Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft. Über der Kanzel steht bis heute der Satz: „Christus ist unser Friede“.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bei mehreren Luftangriffen schwer beschädigt. In den ersten Nachkriegsjahren musste die Gemeinde für ihre Gottesdienste auf ein Sitzungszimmer ausweichen. Mit Unterstützung der Landeskirche und durch Spenden konnte das Gebäude nach und nach wiederhergestellt werden. Am 1. Advent 1951 wurde die Friedenskirche feierlich wiedereröffnet. Dazu erreichte die Gemeinde sogar ein Glückwunschtelegramm der niederländischen Königin. Es erinnerte daran, dass 1943/44 niederländische Zwangsarbeiter in der Friedenskirche eine eigene Gemeinde bilden konnten.
Eine neue Epoche begann 2008. Im Zuge struktureller Veränderungen in der Osnabrücker Gemeinde wurde die Friedenskirche zur Jugendkirche. Seitdem ist sie ein Ort, an dem junge Menschen Gottesdienste feiern, Musik machen, Theater spielen, tanzen und eigene Projekte entwickeln.
Die Jugendkirche Osnabrück ist heute die einzige Jugendkirche der Evangelisch-reformierten Kirche. Damit ist sie zugleich ein wichtiger Ort für die landeskirchliche Jugendarbeit.
Gemeinsam unter einem Dach
Dabei ist sie längst nicht mehr allein ein Ort der reformierten Jugendarbeit. Eine wichtige Partnerin ist die Freie evangelische Gemeinde Osnabrück. Die 2016 noch junge Gemeinde begann, ihre Gottesdienste in der Friedenskirche zu feiern, und entwickelte seitdem gemeinsam mit der Jugendkirche und der Evangelisch-reformierten Gemeinde weitere Angebote.
Aus dieser Entwicklung entstand das Konzept des Sharehauses Friedenskirche. Die Idee: Das Gebäude wird nicht nur von einer Gemeinde genutzt, sondern von mehreren Partnern gemeinsam getragen und gestaltet. Neben der Evangelisch-reformierten Gemeinde, der Evangelisch-reformierten Jugend und der Freien evangelischen Gemeinde gehören auch weitere Nutzer und Kooperationspartner dazu.
Das Haus bietet Raum für Jugend- und Bildungsarbeit, neue Formen von Kirche, Kultur, Begegnung und Nachbarschaft. Auch Gruppen und Initiativen außerhalb der Kirche nutzen die Räume.
Ein Haus für die Zukunft
Im Jubiläumsjahr 2026 konnten umfangreiche bauliche Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen werden. Ziel ist es, die Friedenskirche energetisch und für ihre Nutzung als Ort der Jugend zukunftsfähig zu machen.
Das Jubiläum wird am Sonntag, 30. August 2026, mit einem Festgottesdienst um 11 Uhr gefeiert. Nach einem gemeinsamen Mittagessen und Grußworten gibt es am Nachmittag ein offenes Begegnungsprogramm. Die Feier wird von der Evangelisch-reformierten Gemeinde, der Evangelisch-reformierten Jugend, der Freien evangelischen Gemeinde und weiteren Nutzerinnen und Nutzern des Sharehauses gemeinsam gestaltet.
27. August 2026
Ulf Preuß, Pressesprecher

